Pompeji und der Vulkan

Donnerstag, 24.08.2017

Die Überschrift lautet absichtlich nicht „Pompeji und der Vesuv“, denn es machte sich am frühen Morgen des 24.8. erstmal Ernüchterung bei mir breit. Ich hatte eine Vesuv- und Pompeji-Besichtigungstour gebucht. Meine Tour-Leaderinnen Claudia und Michaela erklärten uns aber, dass es große Brände am Vesuv gegeben habe. Diese wurden zwar gelöscht, jedoch haben Löschwasser und Regen dafür gesorgt, dass sich Geröll und Vulkanasche zu Schlammströmen zusammengefügt haben, so dass die Straßen rauf auf den Vesuv unbefahrbar waren (zumindest für unseren Bus). Also keine Vesuv-Besichtigung möglich. Schade, aber ich habe ja den ein oder anderen Vulkankrater mit entsprechender Vulkanlandschaft bereits auf Hawaii sehen können. Als Alternative machten wir uns auf den Weg zum Vulkan Solfatara bzw. zu den phlegräischen Feldern. Eine sehr aktive Vulkanregion. Nicht so hoch gelegen wie der Vesuv aber dafür eine aktivere Gegend. 

An diesem Vulkan, dem Aktivisten der Gegend, wie ich lernen sollte, durften wir sogar in den Krater. Im Prinzip standen wir auf einem Pfropfen aus Bimsstein, der uns von der heißen Lava trennte. Unter den Füßen wurde es tatsächlich warm und wir haben einige brodelnde Wasser/Schwefel-Quellen gesehen, aus denen sogar Rauch aufstieg. Ein lokaler Guide führte uns rum. Es stank die ganze Zeit leicht nach Schwefel, also faulen Eiern. Eine gute Alternative zum Vesuv, dennoch hätte ich gerne den Golf von Neapel von ganz oben gesehen. 

Naja, nach einem Mittagsstop ging es weiter zu einem meiner seit langem ersehnten Highlights – Pompeji. Die Stadt, die 79 n.Chr. vom Vulkanausbruch des Vesuvs komplett verschüttet und dadurch perfekt konserviert worden war. Jetzt ist sie wieder ausgegraben und man kann sich sehr gut ein Bild des (römischen) Lebens vor 2000 Jahren machen. Ich betone extra das römische Leben, weil ich glaube, dass es außerhalb dieser Städte noch nicht so geordnet zuging damals. Dank meines Lateinunterrichts war ich ganz gut vorbereitet, aber unsere Guides erzählten sehr viele sehr interessante Geschichten nicht nur über Pompeji, sondern auch über Rom, Neapel und den Vesuv während der Fahrt, so dass diese nie langweilig wurde. Sie erzählten wirklich gut und schmückten sie so aus, dass man sich wirklich in die damaligen Menschen reinversetzen konnte.
Vor Ort war ich erstaunt wie gut erhalten einige Bauten waren und wie viele Gedanken sich die Römer damals bereits bei der Stadtgestaltung gemacht haben. Die Mosaike auf den Böden waren zum Teil noch vorhanden und das Amphitheater wird sogar heute noch genutzt für Aufführungen. Es gab damals schon Haupt- und Nebenstraßen, die zum Teil mit weißen Steinen ausgelegt waren um auch in der Nacht das Mondlicht zu reflektieren, Bürgersteige, um nicht von Karren umgefahren zu werden, öffentliche Brunnen zum Wasser trinken, Wasserleitungen und schöne Villen und Gartenanlagen etc.

Das Leben damals unterschied sich zu meinem Erstaunen gar nicht so sehr von dem Unseren. Es gab damals schon sehr viele Shops, einen Marktplatz (Forum), Spas mit Umkleiden und Toiletten für Männer und Frauen getrennt und Fitnessstudios und, was für viel Erheiterung in der Gruppe sorgte, sogar Freudenhäuser (Das Älteste Gewerbe der Welt). Um das „Verfahren“ in diesen Häusern auch für ausländische Seefahrer zu vereinfachen gab es Bilder an den Wänden auf die man einfach deuten konnte, was man sich wünschte. Die Bilder waren tatsächlich noch erhalten. Auch gab es Strassenkennzeichnungen, die in Richtung der Freudenhäuser zeigten, so dass man leichter dorthin fand. Verrückt!

Bilder aus dem Freudenhaus Straßenzeichen in Richtung Freudenhaus

Das Forum, also das Zentrum des öffentlichen Lebens, war ebenfalls sehr interessant. Es gab Tempel und sogar ein Gerichtsgebäude. Zudem war dort ein richtiger Gladiator ;-), wie man auf dem Foto sehen kann. Und auch damals gab es schon Fast Food. In kleinen Küchen wurde Essen zum Mitnehmen angeboten. Dies schlussfolgerten die Historiker daraus, dass es rund um diese Geschäfte keine Sitzmöglichkeiten gab. Also Fast Food Restaurants sind keine Erfindung der Neuzeit.

Fast Food Küche vor 2000 Jahren Der Gladiator auf dem Forum Das Forum

Alles in Allem hat sich dieser sehr lange Tag unfassbar gelohnt. Die Menge, die ich hier gelernt habe, hätte ich so nicht erwartet. Interessant zum Beispiel auch die „wahre“ Legende um Romulus und Remus, die Gründer Roms, die angeblich von einer Wölfin gesäugt worden sein sollen, nachdem sie auf dem Tiber ausgesetzt worden waren und am Palatin Hügel gestrandet sein sollen. Gesäugt worden sind sie wohl auch und zwar von einer „Lupa“. Doch der Begriff hat im lateinischen nicht nur die Bedeutung Wölfin, sondern auch „Dame des horizontalen Gewerbes“. Und weil die Legende dann vermutlich nicht so gut geklungen hätte, scheint es nur logisch, dass es dann auf jeden Fall eine Wölfin gewesen sein muss. Laut unseren Guides hat es in der Geschichtsschreibung keinen weiteren Fall gegeben, bei dem eine Wölfin anstatt die Menschenkinder zu fressen, sie gesäugt haben soll. Also vielleicht nur ein Übersetzungsfehler bzw. Doppeldeutigkeit?

Ebenfalls sehr interessant, dass Pompeji sehr nah am Wasser lag und wohl sogar einen eigenen Hafen hatte, zugleich war der Vesuv angeblich vor dem Ausbruch wohl deutlich höher. Durch den Ausbruch flog allerdings ein riesiger Teil der Spitze ab und bildet nun das neue Land. Pompeji liegt zum Teil einen Kilometer vom Meer entfernt.

Außerdem wussten die Bürger von damals wohl gar nichts von der Gefahr des Vulkanes, da er bewaldet war und aussah wie ein normaler Berg. Auch in Schriften wird immer nur von Berg statt Vulkan geredet, wobei sie auch mit dem Wissen darüber dem Unglück wohl nicht entronnen wären. Es war nicht etwa die Lava, die Pompeji bedeckte, sondern ein pyroklastischer Strom (zu vergleichen mit einer Lawine) aus Staub, Gas, Gestein, Lava etc., der sich mit ca. 200km/h bewegte. Das heißt die Menschen wurden tatsächlich innerhalb von Sekunden oder Minuten überrascht. Das erklärt auch, warum man noch „Leichen“ (sogar von Kindern und Hunden) sehen kann. Zwar sind die Körper unter der dicken Schicht aus Gestein verwest, die Hohlräume blieben aber erhalten. Diese wurden wieder aufgespritzt mit Gips und so kann man tatsächlich die Menschen von damals in ihrer letzten Sekunde sehen. Gruselig! Insgesamt 1000 Skelette wurden bisher gefunden.

Wirklich wahnsinnig interessanter und lehrreicher Tag. Ich bin begeistert!

Nun geht mein Rom Abenteuer zu Ende. Es war unglaublich interessant und ich habe so viele Eindrücke gesammelt. Besonders begeistert hat mich das gemütliche abendliche Sitzen am Kolosseum, wenn die Touristenströme und der Verkehr weniger wurden. Und auch Pompeji und der Petersdom waren mega interessant. Und mein tägliches Gelatto werde ich sehr vermissen. Egal in welcher Eisdiele ich aß, allesamt waren besser als in Deutschland. Wie Fabian mir so schön schrieb und dem schließe ich mich an: Als Tourist ist Rom unglaublich toll!

Aber Leben möchte ich dort nicht. Zu viel Verkehr, zu viel Gewusel, zu viele Touristen, zu viel Müll. Aber jetzt geht es weiter. Die nächste Station ist wieder unglaublich historisch, soviel Kultur hatte ich im Urlaub noch nie ;-). 

Es geht zur Wiege der Demokratie: Athen!